Die Lehren aus der Partie Arsenal gegen Bayern

Posted on 23. February 2014Comments Off on Die Lehren aus der Partie Arsenal gegen Bayern
FC Bayern München gegen Arsenal London im Livestream
zdf.de

Das Achtelfinal-Hinspiel zwischen dem FC Bayern München und dem FC Arsenal hat vieles gehalten was es im Vorfeld versprochen hat. Beachtlich war vor allem der Erkenntnisgewinn, dass die Bayern nicht so übermächtig sind wie man bisher dachte.

Arsenal gegen Bayern: Das beinhaltet gleich mehrere Duelle: Es ist das Duell zweier Trainer, die beide den Ballbesitz lieben, die Angriff für die beste Verteidigung halten und ein Spiel bestimmten möchten. Es war an diesem Mittwoch im Achtelfinale der Champions League aber auch das Duell mehrerer hoch veranlagter Mittelfeldspieler: Thiago Alcantara, Mario Götze, Toni Kroos und Mesut Özil standen auf dem Platz. Gleich vier Spieler also, die allesamt sehr gerne auf der Zehn spielen und diese Position definitiv zu bekleiden wissen. Bei kaum einem Verein dieser Welt wären sie auf ebenjener Position nicht gesetzt. Götze wurde auf dem Flügel eingesetzt, was vor allem an der Verletzung Riberys liegt. Der derzeit so stark aufspielende Neu-Münchner war dieses Mal etwas unauffällig, ebenso wie der andere Neuzugang Thiago, der gerade zu Beginn mit dem hohen Tempo der Gunners seine liebe Mühe hatte und dem schlicht noch die Erfahrung fehlt, um ein solches Spiel auswärts zu beruhigen. Hier wäre Bastian Schweinsteiger extrem von Vorteil gewesen. Nein, auf Seiten der Bayern war es der zuletzt aufgrund stockender Vertragsverlängerungen und nicht allzu auffälliger Leistungen leicht kritisierte Toni Kroos, der auf sich aufmerksam zu machen wusste – und jenes Duell deutlich für sich entschied. Gerade das Duell gegen Landsmann Mesut Özil ist dabei interessant – ist der Spielmacher in Diensten des FC Arsenal doch in der Nationalmannschaft gesetzt. Anders als Kroos. Doch bereits bei Real Madrid stand Özil im Verdacht, bei den wirklich entscheidenden Spielen unterzutauchen. Diesen Verdacht konnte er, zumindest im Hinspiel, keinesfalls entkräften. Eine starke Aktion hatte er – den Haken gegen Boateng, der zum Elfmeter führte. Dann aber hätte der Spielmacher entweder jemand anderen antreten lassen sollen oder das Ganze mit etwas mehr Entschlossenheit zu Ende bringen müssen. So aber verschoss Özil kläglich – und tauchte danach absolut unter. Vor allem mental scheint er manchmal einfach nicht die nötige Klasse zu haben.

Selbiges wird auch Toni Kroos gerne vorgeworfen – und sicherlich ebenfalls nicht ganz zu Unrecht. Dieses Champions League Spiel aber dominierte Kroos irgendwann beinahe nach Belieben. Die gezeigte Leistung ist schlichtweg Weltklasse. Da waren insgesamt drei außerordentlich starke Distanzschüsse – einer führte zum Führungstor. Dann steht eine unglaubliche Passquote zu Buche: Kroos hatte in der zweiten Hälfte mehr Ballkontakte als alle Gunners zusammen, zog die Fäden im dann dominanten Passspiel. Und der Achter spielte phantastische Diagonalpässe – so zum Beispiel den Lupfer, der für die rote Karte Szczesnys sorgte. Die Mischung aus sicheren, lenkenden Kurzpässen sowie ebenfalls passgenauen Flankenwechseln, einer großen Torgefahr aus der zweiten Reihe und genialen Risikopässen in die Schnittstellen machen Kroos zu einem phantastischen Taktgeber – der das Spiel absolut dominierte und für den Unterschied sorgte. Kann sich der Münchner diese Form für die großen Spiele bewahren, so führt bei der WM im Sommer eigentlich kein Weg an ihm vorbei.

Ebenfalls außerordentlich interessant: Die Rochade Guardiolas in der Halbzeit. Lahm kam wieder auf die seit neuem angestammte Position auf der Sechs – und das fruchtete. Zwar waren die Gastgeber zu diesem Zeitpunkt auch nur noch zu zehnt, doch scheint es, als spiele Lahm im defensiven Mittelfeld tatsächlich noch einmal stärker als außen rechts. Zumal auch Rafinha wieder eine sehr starke Leistung zeigte, diese Saison weit mehr ist als bloß Notnagel. Natürlich ist Javi Martinez nach langwieriger Verletzung noch nicht wieder in Bestform. Derzeit aber scheint eigentlich kein Weg an Lahm vorbeizuführen.

Aber: Das Spiel gegen Arsenal hat auch gezeigt, dass der Weg zur Verteidigung des Champions League Titels für den FC Bayern steinig und weit ist. Denn gerade zu Beginn kam man mit dem aggressiven Pressing des Gegners kaum zurecht. Das unterscheidet die heutigen Bayern noch deutlich vom FC Barcelona unter Guardiola. Damals konnte man die Katalanen nur durch absolut destruktives Spiel, einzelne Konter und viel Glück stoppen. Wollte man mitspielen, attackierte früh, so riskierte man, andauernd ausgespielt zu werden und Messi und Co ins offene Messer zu laufen. Die Bayern dagegen, aus der Liga kaum derlei offensive Gegenwehr gewohnt, wirken in solchen Situationen oft etwas konfus. Die so entscheidende Ruhe im Passspiel, der Wille, alles spielerisch zu lösen, ging gegen Arsenal erst einmal verloren. Hier muss Guardiola also ansetzen, will er das Kunststück schaffen, den Champions League Pokal als erste Mannschaft der Welt zu verteidigen.