Die falsche Neun bei Bayern München – ein Modell mit Zukunft?

Posted on 27. January 2014Comments Off on Die falsche Neun bei Bayern München – ein Modell mit Zukunft?

 

Die falsche Neun bei Bayern München - ein Modell mit Zukunft?
Michael Kranewitter / Wikimedia

Der FC Bayern marschiert derzeit durch die Fußball-Bundesliga und konnte seinen Vorsprung am vergangenen Wochenende nochmals ausbauen. In der Champions League kommt es im Februar/März zum Achtelfinalduell mit Arsenal London. Doch anstatt sich mit den Gegnern zu beschäftigen, stellen sich die Bayern lieber die Frage mit welchen Spielsystem sie zukünftig spielen möchten.

 

Seit dieser Saison ist vieles anders beim FC Bayern München: Star-Trainer Pep Guardiola leitet nun das Team, dazu gab es mit Mario Götze einen spektakulären Neuzugang aus der Bundesliga.

Der wohl derzeit talentierteste deutsche Nationalspieler begann seine Bundesliga-Karriere beim BVB zunächst auf dem rechten Flügel, etablierte sich dort und wechselte dann ins Zentrum, ins offensive Mittelfeld. Nun, beim FC Bayern scheint er zusehends als Stürmer eingeplant zu sein. Während Mario Mandzukic zuletzt aufgrund schwacher Trainingsleistungen aus dem Kader gestrichen wurde, stürmte Götze von Beginn an gegen Borussia Mönchengladbach – und zeigte eine ansehnliche Leistung, gekrönt mit dem Tor zum 1:0.

Wird derzeit viel über einen möglichen Abgang Mandzukics spekuliert, so ist wahrscheinlicher, dass der Kroate bald schon wieder in der Startelf stehen wird. Dann muss der wendige Götze ausweichen: Entweder auf den rechten Flügel oder auf eine der Halbpositionen im Zentrum. Oder aber auf die Bank. Sehr wahrscheinlich ist eine Mischung aus alledem, da Guardiola sich der Rotation bisher sehr aufgeschlossen zeigt. Für die Münchner ist das einer der größtmöglichen Vorteile: Das eigene Offensivspiel wird dadurch nämlich weitaus variantenreicher; sich auf den FC Bayern München einzustellen, fällt so sehr schwer.

Gerade in der Champions League kann das zu einem entscheidenden Punkt werden: Stellen sich mittlerweile mehr und mehr Mannschaften taktisch darauf ein, die wohl „berühmteste falsche Neun der Welt“, Lionel Messi, zu stoppen (was aufgrund der immensen Qualität natürlich nach wie vor schwer fällt), so ist das gegen München nicht so einfach. Denn verschiedener könnten die beiden Stürmertypen kaum sein: Beispielsweise beim kommenden Gegner im Achtelfinale der Champions League, Arsenal London, wird man sich so seine Gedanken machen. Den großen Innenverteidigern, allen voran Per Mertesacker, läge der wuchtige Mandzukic sicher eher. Dem für seine Kopfballstärke bekannten Kroaten müssen hochgewachsene Innenverteidiger entgegengesetzt werden. Andererseits verfügt er über ein immenses Arbeitspensum, läuft die Innenverteidiger immer wieder in hohem Tempo an und erschwert so den gegnerischen Spielaufbau von Anfang an.

Götze dagegen ist unglaublich wendig, was ihn, gepaart mit einer phantastischen Ballbehandlung, auf engstem Raum gerade für einen eher staksigen Innenverteidiger zum Alptraum werden lässt. Vor allem im Zusammenspiel mit den ebenfalls technisch versierten zentralen Mittelfeldspielern lassen sich quasi aus dem Nichts extrem gefährliche Situationen kreieren. Dazu kommt, dass der Neuzugang, anders als manchmal bei Borussia Dortmund, bisher eine beeindruckende Chancenverwertung an den Tag legt.

Für Gegner wie den FC Arsenal bedeutet das, sich auf zwei beinahe gegensätzliche Szenarien vorbereiten zu müssen. Des Weiteren bleibt Trainer Guardiola natürlich auch immer der Wechsel innerhalb des Spiels. Das hat den BVB in der Bundesliga am Ende zu Fall gebracht: Nachdem Mandzukic den Gegner etwa eine Stunde bearbeitet, auslaugt, kommt der frische Götze ins Spiel – eine wirklich sehr unangenehme Situation für den jeweiligen Gegner.

Ob das Modell beim FC Bayern zukünftig eher verstärkt wird oder nicht bleibt abzuwarten. Die kommende Verpflichtung von Robert Lewandowski weist auf alle Fälle darauf hin, dass sich Pep Guardiola jene starke Varianz bewahren möchte. Interessant allerdings wäre es, neben Götze auch einmal Xherdan Shaqiri im Sturm spielen zu sehen. Und dann ist da natürlich noch Thomas Müller, der wohl am ehesten irgendwo zwischen Mandzukic und Götze einzuordnen ist. Keine einfachen Zeiten für die Gegner des FC Bayern.